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Dufttempel im Gewerbepark

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Ein Unternehmer aus dem Irak baut eine Parfümfabrik im Kleinmachnower Europarc

Kleinmachnow - Neben Baggern, Kränen und Wagen der Marke Porsche soll es künftig auch Parfüm im Kleinmachnower Gewerbepark zu kaufen geben. Der Europarc wird somit eine Spur extravagant: Das Eingangsportal des neuen Dufttempels soll glänzend weiß gekachelt werden, auf Säulen links und rechts entlang eines Läufers die Düfte Charlotte, Sophie und Friedrich präsentiert werden. Auf dem Gebäude wird eine goldglänzende Quadriga thronen, ein Nachbau des Originals auf dem Brandenburger Tor.

Der irakische Unternehmer Nasyr Birkholz baut derzeit im Europarc auf mehr als 2000 Quadratmetern seinen neuen Unternehmenssitz. Seine Kosmetikfirma „BB by Berlin“ wird im Sommer des kommenden Jahres in das zweistöckige Gebäude mit großer Glasfassade einziehen. Stolz präsentiert Birkholz die ersten Entwürfe.

„Den Standort finde ich sehr interessant“, so der Unternehmer. Birkholz, der seit 1988 in Deutschland lebt, hat die Teilung des Landes noch mitbekommen. „Der Gewerbepark liegt direkt am Checkpoint Dreilinden, heute ist man wieder vereint, das bedeutet auch mir etwas.“ Seine Bindung zu der Region ist stark: In Berlin ist er erfolgreich geworden, Teltow hat er zu seinem Wohnort gemacht.

Bisher war sein Firmensitz in der Berliner Friedrichstraße, dort wird es jetzt zu eng. Birkholz hatte sich auf der Suche nach einem neuen Standort mehrere Gewerbeparks angesehen, „es gab viele Angebote, die günstiger waren“. Doch für den Unternehmer aus Teltow war schnell klar, dass nur der gut angebundene und durch seine Nähe zur einstigen Grenze liegende Kleinmachnower Gewerbepark infrage komme.

In Kleinmachnow sollen jetzt der Vetrieb, das Design und das Marketing zusammengelegt werden. „Die Aufgaben haben bisher Agenturen für mich erledigt, jetzt soll alles aus einer Hand kommen.“ In zwei bis drei Jahren plant Birkholz eine Erweiterung seiner Firma. „Unser Ziel ist es, unsere Parfüms auch auf dem deutschen Markt zu vertreiben“, so Birkholz. Die Düfte sollen dann in Kleinmachnow hergestellt werden.

Die Parfürms und Kosmetikprodukte von „BB by Berlin“ werden bisher hauptsächlich auf dem irakischen Markt angeboten. Auch in den arabischen Golfstaaten verkaufen sich die Düfte mit den Namen Charlotte, Sophie, Marlene und Friedrich sehr gut. Die Strategie von Birkholz, seine Marke auf Berlin auszurichten und deutsche Namen zu nutzen, scheint aufzugehen. „Deutschland hat im Ausland einen guten Ruf“, so Birkholz. Selbst auf den Verpackungen sind Berliner Wahrzeichen, die Siegessäule und das Brandenburger Tor, abgedruckt.

Zur Parfürmherstellung kam der studierte Bauingenieur über Umwege: „Ich hatte bei Schwarzkopf & Henkel die Vertretung für den irakischen Markt übernommen“, erzählt der Geschäftsmann. Doch in der Angebotspalette des Kosmetikunternehmens gab es weder Düfte noch Bodysprays mit leichten Duftnoten. „Die Nachfrage in diesem Bereich war sehr groß“, erzählt der Unternehmer. Der Startschuss für seinen Alleingang fiel vor elf Jahren, seither hat Birkholz acht Parfüms für Männer und Frauen kreieren lassen. Nach und nach kamen weitere Produkte dazu, von Haarfärbemitteln über Shampoo bis zur Kinderzahnpasta.

Birkholz verspricht Düfte, die es so in Deutschland nicht gebe. „Wir machen verrückte Sachen“, sagt er und lacht. Der Männerduft Löwe zum Beispiel – seine holzige, würzige Note wirke erotisch. Was genau er in den Duft mischen lässt, bleibe aber Geheimnis. Regelmäßig schnuppert sich Birkholz durch Duftneuheiten, die in Spanien, dem Mittleren Osten, Südamerika oder Südafrika auf den Markt kommen. „Das ist viel spannender als das, was man in Deutschland bekommt.“

Bevor ein Duft über den Ladentisch geht, werden verschiedene Duftnoten bis zu 50 Testern unter die Nase gehalten. Die Duftnoten mit den besten Ergebnissen werden von Parfümeuren zusammen gemischt. „Nur aus den besten Noten werden auch beste Düfte“, sagt Birkholz selbstbewusst. Dass Birkholz’ Kreationen nicht nur Kunden aus dem Orient gefallen, sei sehr wahrscheinlich: „Wir lassen unsere Düfte von deutschen und arabischen Testern prüfen“, sagt der Parfümfabrikant. Erst aus der Mischung der Testergebnisse beider Länder würden die Düfte hergestellt. Eva Schmid

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